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Paramylodon
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Paramylodon ist eine ausgestorbene Gattung der Faultiere und gehört zur ebenfalls erloschenen Familie der Mylodontidae. Es war ein großes, bodenlebendes Faultier, das hauptsĂ€chlich im PleistozĂ€n vor rund 1,8 Millionen Jahren bis vor etwa 11.000 Jahren in Nordamerika lebte. Die Gattung ist ĂŒber zahlreiche Fossilfunde belegt, ihre Anzahl nahm in der SpĂ€tphase des Auftretens sichtlich zu. Sie stammen ĂŒberwiegend aus dem SĂŒden der heutigen Vereinigten Staaten, im westlichen Bereich streuen sie aber auch bis in den SĂŒden von Kanada. Einen herausragenden Fundplatz stellen die Asphaltgruben von Rancho La Brea bei Los Angeles in Kalifornien dar, wo die Gattung recht hĂ€ufig belegt ist. Anhand der Fossilreste lĂ€sst sich eine LĂ€nge der Tiere von knapp 280 cm und ein Gewicht von gut 1,4 t rekonstruieren.

Aufgrund der teils sehr guten Fossilerhaltung ist bei den Tieren die fĂŒr die Mylodonten typische Körperpanzerung in Form von Osteodermen ĂŒberliefert. Zudem lĂ€sst sich ein geschlechtsspezifischer Unterschied im SchĂ€delbau nachweisen. Den Funden zufolge lebten die Vertreter von Paramylodon in offenen Landschaften, teilweise auch in gebirgigen Lagen und ernĂ€hrten sich höchstwahrscheinlich grasfresserisch oder von gemischter Pflanzenkost. Einmalige Spurenfossilien geben darĂŒber hinaus Auskunft ĂŒber die Fortbewegung der Tiere, die vierfĂŒĂŸig erfolgte. Zudem kann aufgrund der Gestaltung der Vordergliedmaßen auch eine gewisse grabende Lebensweise nicht ausgeschlossen werden.

Innerhalb der Gattung ist mit Paramylodon harlani nur eine Art anerkannt. Die ersten Fossilfunde stammen bereits aus dem Beginn der 1830er Jahre. Sie gehen auf Richard Harlan zurĂŒck, zu dessen Ehre die Art benannt wurde. Die Gattung Paramylodon fĂŒhrte Barnum Brown zu Beginn des 20. Jahrhunderts ein. Insgesamt blickt der Faultiervertreter auf eine wechselvolle Forschungsgeschichte zurĂŒck. In deren ersten 150 Jahren wurden die heute Paramylodon zugeschriebenen Funde, spĂ€ter die Gattung selbst, immer wieder mit anderen Formen in Verbindung gebracht, zuerst mit Mylodon, seit den 1950er Jahren aber zunehmend mit Glossotherium. Vor allem mit letzterer Gattung verbindet Paramylodon zahlreiche Merkmale, die fĂŒr eine enge Verwandtschaft sprechen. Erst seit den 1990er Jahren gelten beide Gattungen als eigenstĂ€ndig, wobei Glossotherium auf SĂŒdamerika beschrĂ€nkt ist, wĂ€hrend Paramylodon Nordamerika bewohnte.

Contents

‱ Merkmale
‱ Osteoderme
‱ Fortbewegung
‱ Sonstiges
‱ Systematik
‱ Literatur
‱ Weblinks

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Merkmale

KörpergrĂ¶ĂŸe

Paramylodon ist vor allem aufgrund der Funde aus Rancho La Brea in Kalifornien in reichhaltiger Zahl ĂŒberliefert. Das dort geborgene Material von mehreren Dutzend Individuen diente als Basis zahlreicher Untersuchungen, auf die sich die folgenden beschreibenden Angaben weitgehend berufen.cite-ref-stock-1917-1-0[1]cite-ref-stock-1917b-2-0[2]cite-ref-stock-1925-3-0[3] Die Faultiergattung war ein mittelgroßer Vertreter der Mylodontidae. Ein vollstĂ€ndig rekonstruiertes Skelett aus Rancho La Brea besitzt eine GesamtlĂ€nge von 279 cm, wovon der Schwanz etwa 118 cm einnimmt. An den Schultern erreicht es eine Höhe von 112 cm, am Becken misst es 122 cm. Das Gewicht fĂŒr diese spĂ€ten Angehörigen des Oberen PleistozĂ€ns wird mit rund 1,39 t angegeben, frĂŒhere Formen waren aber durchaus kleiner.cite-ref-mcdonald-2005-4-0[4] Insgesamt stellte Paramylodon ein robust gebautes Tier dar. Es zeichnete sich durch einen langgestreckten SchĂ€del, einen kurzen Nacken, einen kurzen und kompakten Körper mit breitem Becken sowie krĂ€ftigen Gliedmaßen und Schwanz aus.cite-ref-stock-1920-5-0[5]

SchÀdel- und Gebissmerkmale

Der SchĂ€del von Paramylodon war langschmal. Er erreichte eine GesamtlĂ€nge von 42,9 bis 49,8 cm, ermittelt an etwa einem Dutzend Exemplaren.cite-ref-mcafee-2009-6-0[6] Ein besonders großer SchĂ€del maß 54,0 cm.cite-ref-cockerell-1909-7-0[7] In der Aufsicht besaß er eine eher rechteckige Form mit einer durchschnittlichen Breite am Hinterhauptsbein von 18,8 cm, hinter den Augen von 12,2 cm und an der Schnauze von 14 cm. Typisch fĂŒr zahlreiche Mylodonten war die sich nach vorn kontinuierlich verbreiternde Schnauze. Der SchĂ€del zeigte sich aber insgesamt als deutlich schmaler als beim vergleichbar großen Glossotherium, letzteres wies in Seitenansicht an der Stirnlinie eine domartige Aufwölbung auf, die bei Paramylodon nicht auftrat. Allerdings war der SchĂ€del von Paramylodon mit Ausnahme des mittleren Bereichs (der domartigen Aufwölbung bei Glossotherium) durchschnittlich höher, so maß er am Hinterhaupt rund 13,8 cm, an der Schnauze 13 cm. Das Nasenbein befand sich seitlich im Kontakt mit dem Oberkiefer. Dadurch entstand ein seitlich geschlossener und nur nach vorn geöffneter Naseninnenraum, der etwa so hoch wie breit wurde, was dem insgesamt schmaleren SchĂ€del geschuldet war. Der Mittelkieferknochen war, typisch fĂŒr die Faultiere, nur locker mit dem Oberkiefer verbunden. Am Stirnbein ragte das Nasenbein weit nach hinten, sodass die Naht zwischen den beiden SchĂ€delknochen eher V-förmig verlief. Zudem stellte das Stirnbein den grĂ¶ĂŸten Knochen des gesamten SchĂ€dels dar. Zwischen den Scheitelbeinen bestand ein krĂ€ftiger Scheitelkamm, der jedoch wesentlich schmaler erschien als im Vergleich zu Glossotherium. Die Jochbögen waren abweichend von den meisten Faultieren sekundĂ€r wieder geschlossen. Der vordere, vom Jochbein ausgehende und nach hinten zeigende Bogenteil wies drei FortsĂ€tze auf, von denen einer nach oben, einer nach unten und der mittlere horizontal orientiert war. Der hintere, am SchlĂ€fenbein ansetzende Bogenabschnitt besaß eine fingerförmige Gestalt und verband sich mit dem mittleren Fortsatz des vorderen Bogenabschnitts. Auf der SchĂ€delunterseite ragte das Gaumenbein bei Paramylodon deutlich weiter nach hinten als bei Glossotherium, was durch die lĂ€ngere Ausdehnung des Knochens hinter dem letzten Backenzahn verursacht wurde. Wie bei vielen Mylodonten waren die beiden Flanken des FlĂŒgelbeins deutlich aufgeblĂ€ht. Bei Paramylodon zeigte sich dies aber nicht ganz so deutlich wie bei Glossotherium, sodass die aufgewölbten Strukturen wesentlich weiter durch das Basisphenoid des Keilbeins auseinanderstanden.cite-ref-stock-1917-1-1[1]cite-ref-stock-1925-3-1[3]cite-ref-mcafee-2009-6-1[6]

Der Unterkiefer erreichte nach Analyse von gut zwei Dutzend Objekten LĂ€ngen von 31,5 bis 43,6 cm. Er war massiv gebaut und breit. Der horizontale Knochenkörper nahm kontinuierlich von vorn nach hinten an Höhe zu, unter dem hintersten Zahn betrug seine Höhe bis zu 10,5 cm.cite-ref-bargo-et-al-2006-8-0[8] Die robuste Symphyse wurde bis zu 11 cm lang und war – typisch fĂŒr Mylodonten – breit. Sie zog nach vorne aus, was ein Kennzeichen fast aller Faultiere ist. Diese löffelartige VerlĂ€ngerung der Symphyse kragte bei Paramylodon seitlich nicht so deutlich auseinander wie bei Glossotherium, sodass die Seitenkanten eher gerade verliefen und weniger deutlich geschwungen waren als bei Letzterem. Die Breite der Symphyse im vorderen Bereich betrug bis zu 15 cm. Der Gelenkfortsatz ĂŒberragte die Kauebene nur unwesentlich, der Kronenfortsatz war deutlich höher. Seine Vorderkante verlief bei Paramylodon in einer geraden Linie, abweichend von der gebogenen Gestaltung bei Glossotherium. Das Gebiss bestand, wie allgemein ĂŒblich bei den Faultieren, aus 5 ZĂ€hnen je OberkieferhĂ€lfte und 4 ZĂ€hnen je UnterkieferhĂ€lfte, insgesamt waren also 18 ZĂ€hne ausgebildet. Die jeweils vordersten ZĂ€hne hatten eine eckzahnartige (caniniforme) Gestalt, die ĂŒbrigen waren molarenartig (molariform). Die Gebissstruktur gilt als stammesgeschichtlich urtĂŒmlich innerhalb der Faultiere. Allerdings waren bei den spĂ€teren Vertretern von Paramylodon die oberen caniniformen ZĂ€hne hĂ€ufig reduziert, sodass das Gebiss dann aus nur 16 ZĂ€hnen bestand. Eine Ă€hnliche Zahnreduktion ist bei Glossotherium nicht bekannt. Bei Mylodon hingegen waren die vordersten ZĂ€hne im Obergebiss ebenfalls nicht mehr ausgebildet, die unteren caniniformen ZĂ€hne Ă€hnelten hingegen den hinteren BackenzĂ€hnen. Die caniniformen ZĂ€hne besaßen bei Paramylodon einen ovalen Querschnitt und waren nach hinten gekrĂŒmmt. Sie erreichten aber nicht die GrĂ¶ĂŸe wie bei Glossotherium oder gar bei Lestodon. Zur hinteren Zahnreihe bestand ein kurzes Diastema. Die molarenartigen BackenzĂ€hne hatten eine flache Gestalt mit einem etwas erhöhtem Rand. Sie besaßen im Umriss eine zweilappige Form mit starker mittlerer EinschnĂŒrung, außer dem ersten Oberkieferbackenzahn, der eher rechteckig geformt war und mit einer durchschnittlichen LĂ€nge von 3,7 cm den lĂ€ngsten Zahn im Oberkiefer bildete. Beim zweiten oberen Backenzahn zeichnete sich die lappenartige Struktur wesentlich deutlicher ab als bei Glossotherium. Allen ZĂ€hnen fehlte typischerweise der Zahnschmelz, vielmehr bestanden sie aus einer hĂ€rteren Variante des Zahnbeins (Orthodentin), zusĂ€tzlich gab es noch eine Ă€ußere Schicht Zahnzement. Der Anteil des Orthodentins erreichte bei Paramylodon 28 %.cite-ref-kalthoff-2011-9-0[9] Die obere Zahnreihe wurde durchschnittlich 14,4 cm lang, wovon die hinteren BackenzĂ€hne 12,6 cm einnahmen. Aufgrund der sich nach vorn verbreiternden Schnauze verliefen die Zahnreihen divergierend zueinander.cite-ref-stock-1917-1-2[1]cite-ref-stock-1925-3-2[3]cite-ref-mcafee-2009-6-2[6]

Körperskelett

Vor allem das umfangreiche Fundmaterial aus Rancho La Brea erlaubt eine umfassende Rekonstruktion des Körperskeletts. Die WirbelsĂ€ule setzte sich aus 7 Hals-, 16 Brust- 8 bis 9 Lenden- und Kreuzbein- sowie 21 Schwanzwirbeln zusammen. Der Oberarmknochen war massiv, die LĂ€nge betrug 46 cm und der Kopf hob sich nicht sonderlich deutlich ab. Eine markante Knochenleiste (deltopectorale Leiste) saß am Humerusschaft an, war aber im oberen Teil weniger prominent ausgebildet als bei Glossotherium. Das untere Gelenkende kragte seitlich weit aus. Ein Foramen entepicondylaris, das gelegentlich bei einigen Faultieren vorkam, war hier nicht ausgebildet. Die Elle besaß einen stark ausgedehnten oberen Gelenkfortsatz, das Olecranon. Er wurde etwa 20 cm lang, der gesamte Knochen erreichte 40 cm LĂ€nge. Der Bau der Elle wirkte kĂŒrzer und robuster als bei Glossotherium, der Schaft war breit und oben vorn und hinten verschmĂ€lert. Ebenso war die Speiche kurz und massiv bei einer LĂ€nge von 29,6 cm. Den lĂ€ngsten Knochen reprĂ€sentierte der Oberschenkelknochen mit rund 54,6 cm. Sehr kurze Exemplare aus Rancho La Brea maßen nur 51 cm, sehr lange 58 cm. Markant war die bei den Bodenfaultieren typische, flache und breite Gestaltung, sodass der Knochen fast brettartig wirkte. Der Kopf erhob sich nur wenig von der OberflĂ€che und hatte eine mehr nach innen gerichtete Lage. Der Schaft war leicht nach innen gedreht, ein dritter Trochanter als Muskelansatzstelle, der bei Lestodon auftrat, war bei Paramylodon nicht sichtbar. Mit einer LĂ€nge von 24,6 cm war das Schienbein deutlich kĂŒrzer als der Oberschenkelknochen. Dies ist ein typisches Merkmal der Mylodonten, bei deren ĂŒberwiegend spĂ€ten Vertretern der untere Abschnitt des Hinterbeins hĂ€ufig nur etwa die HĂ€lfte der LĂ€nge des oberen erreichten.cite-ref-rincon-et-al-2015-10-0[10] Im Falle von Paramylodon wies die Tibia 45 % der FemurlĂ€nge auf. Ihr Schaft war wie der des Oberschenkelknochens abgeplattet und wies ebenso eine leichte Drehung auf. Das obere Gelenkende war seitlich ausladend, die Breite hier erreichte etwa drei Viertel der LĂ€nge des Gesamtknochens. Das Wadenbein war nicht mit dem Schienbein verwachsen, es wurde 26,3 cm lang.cite-ref-stock-1925-3-3[3]cite-ref-brown-1903-11-0[11]

HĂ€nde und FĂŒĂŸe zeigten einen Ă€hnlichen Aufbau wie bei den anderen großen Mylodonten Glossotherium und Lestodon, Abweichungen liegen im Detail vor. Die Hand wies insgesamt fĂŒnf Strahlen auf (I bis V), wobei nur die drei inneren Strahlen (I bis III) Krallen ausgebildet hatten. Der Mittelhandknochen des ersten Strahls war mit dem großen Vieleckbein zu einer Einheit verschmolzen, dem sogenannten Metacarpal Carpal Complex (MCC), was bei bodenbewohnenden Faultieren hĂ€ufig belegt ist. Die Mittelhandknochen des dritten bis fĂŒnften Strahls waren massiv und ĂŒber 10 cm lang, der des Strahls IV besaß dabei den krĂ€ftigsten Bau. Am Fingerstrahl I waren zusĂ€tzlich noch die ersten beiden Phalangen miteinander verwachsen, an den Strahlen II und III bestanden jeweils drei Fingerglieder, wovon die ersten beiden aber deutlich reduzierte LĂ€ngen aufwiesen. Die jeweiligen Endglieder der drei inneren Strahlen verfĂŒgten ĂŒber ausgedehnte KrallenfortsĂ€tze, was auf dementsprechend große Krallen schließen lĂ€sst. Die LĂ€nge reichte von innen (I) nach außen (III) von 7,5 cm ĂŒber 15,4 cm bis zu 17,4 cm, die Höhe variierte von 2,9 bis 5,7 cm. Die krallenlosen Ă€ußeren Finger besaßen in ihrer GrĂ¶ĂŸe stark reduzierte Fingerglieder. Der Fuß von Paramylodon verfĂŒgte ĂŒber insgesamt vier Strahlen (II bis V), der innerste Strahl war vollstĂ€ndig reduziert. Krallen bestanden hier nur an den Zehen II und III, die auch am krĂ€ftigsten ausgebildet waren. Allerdings hatten die Mittelfußknochen hier eher kurze LĂ€ngen von 3,6 beziehungsweise 6,5 cm, an den Ă€ußeren Strahlen wurden sie jeweils ĂŒber 11,0 cm lang und waren sehr massiv. Wie bei den anderen beiden Mylodonten verfĂŒgte der zweite Strahl nur ĂŒber zwei Zehenglieder, da die erste und zweite Phalanx entsprechend der Hand zu einer Einheit verschmolzen waren. Abweichend von Glossotherium und Lestodon bestand bei Paramylodon auch der dritte Strahl hĂ€ufig nur aus zwei Gliedern. Die jeweiligen Endphalangen mit Krallen wiesen analog der Hand einen Ă€ußerst krĂ€ftigen Bau auf, allein der Krallenfortsatz maß hier etwa 8,5 cm am zweiten und 11,1 cm am dritten Strahl und wurde jeweils 3,3 beziehungsweise 3,9 cm hoch. Die Ă€ußeren Strahlen besaßen dem gegenĂŒber wiederum stark reduzierte Endglieder.cite-ref-stock-1917b-2-1[2]cite-ref-stock-1925-3-4[3]

Osteoderme

Die Mylodonten bilden die einzige bekannte Faultierlinie, bei deren Vertretern KnochenplĂ€ttchen, sogenannte Osteoderme, in der Haut ausgebildet waren, analog den heutigen GĂŒrteltieren. Im Gegensatz zu diesen bildeten sie aber bei den Mylodonten keinen festen Knochenpanzer, sondern waren eher locker verstreut, wie dies Funde von Hautresten von Mylodon zeigen.cite-ref-moreno-et-al-1899-12-0[12] Von Paramylodon liegen mehrere hundert solcher Osteoderme aus Rancho La Brea vor,cite-ref-merriam-1906-13-0[13]cite-ref-sinclair-1910-14-0[14]cite-ref-stock-1925-3-5[3] zusĂ€tzlich unter anderem auch als dichte Lage auf einer Platte aus dem Anza-Borrego State Park in Kaliforniencite-ref-mcdonald-2018-15-0[15] und aus Haile 15A, einer fossilreichen Kalksteinspalte in Florida. Die KnochenplĂ€ttchen waren rund bis oval, manchmal auch irregulĂ€r geformt, und 5 bis 30 mm lang. Sie zeigten eine raue OberflĂ€che mit unregelmĂ€ĂŸigen Eintiefungen, die Unterseite war dagegen glatt und konvex gestaltet. Im Querschnitt besaßen sie einen kompakten Bau bestehend aus zahlreichen FaserbĂŒndeln vermischt mit harten Knochenlamellen (Osteome). Prinzipiell waren die KnochenplĂ€ttchen der Mylodonten einfacher strukturiert als die der Gepanzerten Nebengelenktiere.cite-ref-hill-2006-16-0[16]

Verbreitung und wichtige Fossilfunde

Überblick und frĂŒhes Auftreten

Paramylodon war endemisch in Nordamerika und möglicherweise auch in Mittelamerika verbreitet. Die Ă€ltesten, eindeutig der Gattung zuweisbaren Funde sind aus dem Unteren PleistozĂ€n bekannt. Ältere Formen von Mylodonten stammen aus dem Oberen PliozĂ€n Mexikoscite-ref-mcdonald-2002-17-0[17] und des US-Bundesstaates Florida. Von letzterem ist das Teilskelett von der Fundstelle Haile 15A hervorzuheben, einer mit Sedimenten gefĂŒllten Spalte im Kalkstein im Alachua County, deren Alter auf 2,1 bis 1,8 Millionen Jahren geschĂ€tzt wird. Diese frĂŒhen Vertreter werden allgemein als Glossotherium chapadmalensis bezeichnet,cite-ref-robertson-1976-18-0[18] die tatsĂ€chliche Zugehörigkeit zu der frĂŒhen Art der eigentlich auf SĂŒdamerika beschrĂ€nkten Gattung Glossotherium ist aber umstritten.cite-ref-mcdonald-1995-19-0[19]cite-ref-mcafee-2009-6-3[6] Nur wenig jĂŒnger sind die Funde der fossilreichen El Gulfo local fauna aus dem MĂŒndungsgebiet des Colorado River im mexikanischen Bundesstaat Sonora. Sie werden bereits zu Paramylodon gestellt und datieren auf 1,8 bis 1,6 Millionen Jahre.cite-ref-croxen-et-al-2007-20-0[20] Insgesamt sind Fossilreste aus dem Unteren und Mittleren PleistozĂ€n relativ selten und stammen in Nordamerika von rund 20 Fundstellen. Diese verteilen sich vor allem auf den sĂŒdlichen und zentralen Bereich der heutigen USA und auf das nördliche Mexiko, streuen im Westen des Kontinents aber auch bis in den sĂŒdlichen Teil von Alberta in Kanada. Sie befinden sich sowohl im Flachland als auch in Gebirgslagen, der höchste Fundpunkt erreicht in Colorado etwa 2900 m Höhe.cite-ref-mcdonald-et-al-2006-21-0[21]cite-ref-mcdonald-1995-19-1[19]cite-ref-mcdonald-et-al-2013-22-0[22] Einer der bedeutendsten Fundpunkte jener Zeit ist die Leisey Shell pit im Hillsborough County in Florida, von wo ĂŒber mehrere SchĂ€del und postcraniale Skelettelemente berichtet wurde, deren Alter bei etwa 1,2 Millionen Jahren liegt.cite-ref-mcdonald-1995-19-2[19] Bereits in den Übergang zum MittelpleistozĂ€n gehört die LokalitĂ€t Fairmead Landfill im Madera County in Colorado, die ebenfalls mehrere Teilskelette hervorbrachte.cite-ref-mcdonald-et-al-2013-22-1[22]

Funde des OberpleistozÀns

Deutlich umfangreicher ist das Fundmaterial des OberpleistozĂ€ns, das mehr als 100 Fundstellen entstammt, allein in Kalifornien ist Paramylodon von ĂŒber 60 Fundpunkten ĂŒberliefert. Die Verbreitung der Gattung ist Ă€hnlich wie im Unteren PleistozĂ€n, zusĂ€tzlich kommt sie aber auch etwas weiter östlich im Mittleren Westen vor, so beispielsweise in Iowa.cite-ref-mcdonald-2012-23-0[23] Ihren nördlichsten Fundpunkt erreicht sie zu jener Zeit mit Sequim in Washington bei 48,1° nördlicher Breite, im SĂŒden ist die Gattung zusĂ€tzlich aus Mexiko ĂŒberliefert, wo bei Valsequillo bei 19° nördlicher Breite ihre sĂŒdliche Ausbreitungsgrenze bestand; einige Funde weisen aber inzwischen darauf hin, dass Paramylodon eventuell auch aus Guatemala und El Salvador ĂŒberliefert ist.cite-ref-mcdonald-et-al-2006-21-1[21]cite-ref-mcdonald-1995-19-3[19] Unter anderem konnten Funde eines Jungtiers und eines ausgewachsenen Individuums von der Stevenson Bridge in Flussablagerungen des Putah Creek im Yolo County von Kalifornien geborgen werden, die an den Beginn der letzten Kaltzeit gehören.cite-ref-dundas-et-al-1993-24-0[24] Aus Shonto und Richville in Arizona sind zwei nahezu vollstĂ€ndige Skelette berichtet worden, die zu den wenigen bekannten Funden aus dem Bundesstaat gehören. Allgemein sind Fossilreste von Paramylodon auf dem Colorado-Plateau im SĂŒdwesten der heutigen USA und zusĂ€tzlich im Nordwesten Mexikos sehr selten, was eventuell mit dem damals trockeneren Klima in diesem Bereich zusammenhĂ€ngt.cite-ref-mcdonald-2002-17-1[17]cite-ref-mcdonald-et-al-2014-25-0[25]

Von weltweit herausragender Bedeutung sind aber die Funde aus den Asphaltgruben von Rancho La Brea im SĂŒden von Kalifornien. Von hier stammt eine umfangreiche Fossilfauna, deren Alter von 45.000 bis 14.000 Jahren vor heute reicht. Die ersten Funde wurden bereits in der zweiten HĂ€lfte des 19. Jahrhunderts entdeckt, das weitaus bedeutendere Material ist aber auf gezielte wissenschaftliche Untersuchungen zu Beginn des 20. Jahrhunderts zurĂŒckzufĂŒhren, die insgesamt ĂŒber 100 dokumentierte Fundstellen einschließen.cite-ref-stock-1917-1-3[1]cite-ref-stock-1925-3-6[3]cite-ref-friscia-et-al-2008-26-0[26] Auffallend im Faunenspektrum ist die ungewöhnliche Dominanz von Raubtieren gegenĂŒber Pflanzenfressern. Höchstwahrscheinlich wurden die Beutegreifer in grĂ¶ĂŸerer Zahl von im Bitumen feststeckenden Tieren angezogen und fielen den natĂŒrlichen Fallen dann selbst zum Opfer. Unter den Faultieren treten mit Paramylodon, Megalonyx und Nothrotheriops drei der vier in Nordamerika nachgewiesenen Gattungen auf (Eremotherium ist nur aus dem östlichen Teil der USA bekannt). Dabei stellt aber Paramylodon mit ĂŒber 70 Individuen den weitaus hĂ€ufigsten Vertreter dar, unter den Funden sind allein 30 SchĂ€del hervorzuheben.cite-ref-mcdonald-2006-27-0[27]cite-ref-marcus-1960-28-0[28] Ein weiterer sehr umfangreicher Fossilkomplex liegt mit der Diamond Valley Lake Local Fauna im Diamond Valley und im Domenigoni Valley im Riverside County ebenfalls im SĂŒden von Kalifornien vor. Das Material wurde wĂ€hrend der Konstruktion des Diamond Valley Lake seit Mitte der 1990er Jahre geborgen und umfasst gegenwĂ€rtig mehr als 100.000 Fundobjekte von mehr als 100 Taxa, die von ĂŒber 2600 verschiedenen FundlokalitĂ€ten stammen. Im Gegensatz zu Rancho La Brea dominieren hier die großen Pflanzenfresser, wĂ€hrend der Anteil der großen Beutegreifer gering ausfĂ€llt. Dadurch kann auf einen ungestörten Charakter der Faunengemeinschaft geschlossen werden. Paramylodon ist mit rund 280 Einzelfunden belegt, was etwa 8 % der gesamten SĂ€ugetierfauna ausmacht. Das Bodenfaultier bildet damit nach den Bisons, den Pferden, dem urtĂŒmlichen RĂŒsseltier Mammut pacificus und dem Kamel Camelops den fĂŒnfthĂ€ufigsten Vertreter der SĂ€ugetiere in der Diamond Valley Lake Local Fauna. Die beiden anderen, auch in Rancho La Brea auftretenden Faultiere Megalonyx und Nothrotheriops spielen dagegen mit zusammen 0,5 % des Fundaufkommens nur eine untergeordnete Rolle. Das Alter der Diamond Valley Lake Local Fauna entspricht Radiocarbondatierungen zufolge dem von Rancho La Brea.cite-ref-springer-et-al-2009-29-0[29]cite-ref-springer-et-al-2010-30-0[30]

JĂŒngste Nachweise

Wie die meisten anderen großen, bodenlebenden Faultiere verschwand auch Paramylodon gegen Ende des PleistozĂ€ns im Zuge der quartĂ€ren Aussterbewelle. Im Gegensatz zu vielen anderen Gattungen liegen aber von Paramylodon kaum direkt am Fossilmaterial gemessene radiometrische Daten vor. Zu den jĂŒngsten gehört ein Wert aus Rancho La Brea, der bei 20.450 BP liegt.cite-ref-faith-et-al-2009-31-0[31] Allerdings sind noch eindeutig jĂŒngere Funde bekannt, wenige davon kamen dabei aus archĂ€ologischen FundstĂ€tten zum Vorschein, die im Zusammenhang mit der frĂŒhen Besiedlung des nordamerikanischen Kontinents durch den Menschen stehen. Einer der seltenen Nachweise stammt aus El Fin del Mundo („Das Ende der Welt“) in Sonora. Die im Jahr 2007 entdeckte Station konnte mit Hilfe der Radiocarbonmethode unter Verwendung von Holzkohle auf ein Alter von 13.390 Jahren BP datierte werden. Aufgrund des Vorkommens von sechs Clovis-Spitzen gehört sie in einen sehr frĂŒhen Abschnitt der Clovis-Kultur, welche eine der frĂŒhesten archĂ€ologischen Gruppen der ersten Besiedler Nordamerikas reprĂ€sentiert. Neben zwei Skeletten von RĂŒsseltieren, von denen eines eindeutig Cuvieronius vertritt und offensichtlich von den damaligen JĂ€gern und Sammlern zerlegt worden war, kamen auch Reste von Paramylodon zum Vorschein.cite-ref-arroyo-et-al-2011-32-0[32]cite-ref-sanchez-et-al-2014-33-0[33] DarĂŒber hinaus sind mehr als 130 Osteoderme aus der Aubrey Clovis site im nordzentralen Texas belegt. Das die Funde umgebende Bodensubstrat wurde radiometrisch auf ein Alter von 12.860 Jahren BP datiert. Dort ebenfalls dokumentierte Steinartefakte, die etwa 9800 StĂŒcke umfassen, können aufgrund einer Clovis-Spitze ebenfalls zur Clovis-Gruppe verwiesen werden. Die Reste von Paramylodon haben aber keinen unmittelbaren Bezug zu den frĂŒhen Siedlern, da sie mit Ausnahme eines einzigen KnochenplĂ€ttchens in einer nahe gelegenen Wasserstelle gefunden wurden. Es ist aufgrund der bisher wenigen gemeinsamen Funde unklar, ob direkte Bejagung zum Aussterben der Tiere gefĂŒhrt hat.cite-ref-ferring-2001-34-0[34]cite-ref-grayson-et-al-2002-35-0[35]

Dass die frĂŒhen Besiedler Nordamerikas mit den großen Bodenfaultieren interagierten, ihnen folgten sowie möglicherweise auch jagten, darauf verweisen Trittsiegel aus White Sands National Monument in New Mexico. Hier sind mehrere hundert Fußspuren grĂ¶ĂŸerer Faultiere mit denen von Menschen am Ufer eines ehemaligen Sees assoziiert. Teilweise ĂŒberschneiden sie sich, in einem Fall liegen die menschlichen Spuren innerhalb der FĂ€hrte eines Faultiers. Eine AuffĂ€lligkeit bei den sich ĂŒberkreuzenden Faultier- und Menschenspuren ist ein abrupter Richtungswechsel bei ersteren, was eine direkte Konfrontation durch die Verursacher annehmen lĂ€sst. Allerdings liegen von der Fundstelle keine Fossilreste vor und das Alter der Spuren ist bisher nur mittelbar datiert (zwischen 15.560 und 10.000 Jahren vor heute). Zudem sind die Faultierspuren nicht genauer bestimmt. Sie weisen starke GrĂ¶ĂŸenvariationen auf, was entweder auf Tiere verschiedenen Alters oder auf unterschiedliche Arten zurĂŒckgefĂŒhrt werden kann. Im fraglichen Zeitraum kamen in der Region neben Paramylodon auch Nothrotheriops, ein kleineres Bodenfaultier aus der Gruppe der Nothrotheriidae, und Megalonyx, eine große Form der Megalonychidae, vor.cite-ref-bustos-et-al-2018-36-0[36]

PalÀobiologie

KörpergrĂ¶ĂŸenverĂ€nderung und Geschlechtsdimorphismus

Wie zahlreiche andere Tiergruppen auch durchlief Paramylodon im Laufe seiner Stammesgeschichte eine markante KörpergrĂ¶ĂŸenzunahme. Das Gewicht bei den Angehörigen des Unteren PleistozĂ€ns wird mit etwa 915 kg angegeben, die spĂ€ten Vertreter aus dem Oberen PleistozĂ€n erreichten dagegen wohl bis zu 1,39 t Körpergewicht. Grundlage fĂŒr die jeweiligen GewichtsschĂ€tzungen bilden die Oberschenkelknochen, deren entsprechenden LĂ€ngen bei 48,4 beziehungsweise bei 54,6 cm liegen. Die frĂŒhesten Formen aus dem PliozĂ€n, deren Stellung aber innerhalb der Gattung Paramylodon vielfach diskutiert wird, wiesen ein Gesamtgewicht von rund 310 kg bei einer FemurlĂ€nge von 35,5 cm auf. Unter BerĂŒcksichtigung dieser frĂŒhen Vertreter erhöhte sich das Gewicht von Paramylodon im Laufe von gut 2,5 Millionen Jahren um den Faktor 4,5.cite-ref-mcdonald-2005-4-1[4] Besonders auffĂ€llig ist, dass gerade im ausgehenden PleistozĂ€n zur Zeit der letzten Kaltzeit mit ihren extrem ausgeprĂ€gten Klimaschwankungen kaum GrĂ¶ĂŸenvariationen auftreten, wie Untersuchungen an den zahlreichen Funden von Rancho La Brea aus der Zeit vor 45.000 bis 10.000 Jahren vor heute zeigen. ErklĂ€rt wird dies mit einer hohen FlexibilitĂ€t der Gattung in Bezug auf die Umwelt und damit einer hohen AnpassungsfĂ€higkeit. Die Annahme lĂ€sst aber außer Acht, dass zunehmend kĂŒhlere Bedingungen laut der Bergmannschen Regel zu einer KörpergrĂ¶ĂŸenzunahme fĂŒhren mĂŒssten.cite-ref-prothero-et-al-2011-37-0[37]

Anhand der umfangreichen Fossilfunde aus dem spĂ€ten PleistozĂ€n können bei Paramylodon zwei Morphotypen unterschieden werden, eine grazile und eine robuste Variante. Die Morphotypen spiegeln sich dabei nicht in der allgemeinen GrĂ¶ĂŸe der SchĂ€del wider, sondern betreffen hauptsĂ€chlich deren AusprĂ€gung, etwa bei den BreitenverhĂ€ltnissen. Auch lassen sich Unterschiede beispielsweise am Hinterhauptsbein feststellen, das bei der robusten Variante senkrecht steht, bei der grazileren aber schrĂ€g nach hinten. Dadurch sind bei letzterer die GelenkflĂ€chen zum Ansetzen der HalswirbelsĂ€ule prominenter hervorgehoben als bei ersterer. Weitere Abweichungen finden sich in der Ausbildung der caniniformen ZĂ€hne, die, sofern vorhanden, bei robusten Individuen spitz, bei grazilen dagegen stumpf enden. Möglicherweise handelt es sich bei den beiden Morphotypen nicht um Art- oder taxonomische Variationen im Sinne von Unterarten, wie es ursprĂŒnglich angenommen wurde, da sie hĂ€ufig an ein und derselben Fundstelle auftreten. Vielmehr sind sie eher Ausdruck eines intraspezifischen Geschlechtsdimorphismus. Es ist allerdings momentan unmöglich, einen Morphotyp einem bestimmten Geschlecht zuzuweisen. Bei den 30 bekannten SchĂ€delfunden von Rancho La Brea liegt das VerhĂ€ltnis von robust zu grazil bei 3:1, im American Falls Reservoir in Idaho mit drei SchĂ€deln bei 2:1 und in Ingleside in Texas mit ebenfalls drei SchĂ€deln bei 3:0.cite-ref-mcdonald-2006-27-1[27] Bemerkenswert ist dabei, dass der Geschlechtsdimorphismus sich nicht im postcranialen Skelett niederschlĂ€gt und so, wie beim SchĂ€del bereits bemerkt, kein GrĂ¶ĂŸendimorphismus in Form signifikanter LĂ€ngenunterschiede bei den ExtremitĂ€tenknochen auftritt. Im Gegensatz dazu ist bei Eremotherium, das zur gleichen Zeit ebenfalls in Nordamerika verbreitet war, aber zu den Megatheriidae gehört, ein ausgeprĂ€gter GrĂ¶ĂŸenunterschied zwischen den Geschlechtern bekannt.cite-ref-prothero-et-al-2008-38-0[38]

Fortbewegung

Allgemein wird fĂŒr die bodenlebenden Faultiere eine vierfĂŒĂŸige Fortbewegung angenommen. Aufgrund des weit nach hinten verlagerten Körperschwerpunktes war es ihnen aber offensichtlich auch möglich, in eine zweifĂŒĂŸige Position zu wechseln, wobei sie sich dabei mit dem krĂ€ftigen – im Gegensatz zu den heutigen Baumfaultieren – sehr langen Schwanz abzustĂŒtzen vermochten.cite-ref-bargo-et-al-2000-39-0[39] Der Hinterfuß von Paramylodon ist nach innen gedreht, sodass die Hauptlast beim Aufsetzen des Fußes auf dem Ă€ußeren Strahl (V) liegt. Dadurch entsteht der fĂŒr zahlreiche Bodenfaultiere charakteristische pedolaterale Gang, der deutliche Umstrukturierungen in der Form und Lagerung der Fußwurzelknochen zueinander, vor allem beim Sprungbein und beim Fersenbein, erforderte. Bei Paramylodon war die Ă€ußere Fußkante wenig aufgewölbt, sodass sie eine mehr oder weniger gerade Kante bildete und das Fersenbein in nahezu voller LĂ€nge im Kontakt mit dem Boden stand. Dies ist ĂŒbereinstimmend mit anderen Mylodonten, weicht aber stark von den nahe verwandten Scelidotheriidae ab, die einen hoch aufgewölbten Fuß besaßen, bei dem nur das hintere Ende des Fersenbeins den Boden berĂŒhrte.cite-ref-mcdonald-2007-40-0[40]cite-ref-mcdonald-2012b-41-0[41] Eine weitere Besonderheit findet sich in den hinteren Gliedmaßen. Hier zeichnet sich der Bewegungsapparat durch einen extrem kurzen unteren Abschnitt aus. Bei Paramylodon erreicht der untere Abschnitt weniger als 50 % des oberen. Ein derartiger Bauplan, den nahezu alle Mylodonten aufweisen, lĂ€sst auf eine eher langsame und schwerfĂ€llige Bewegung schließen. Im Vergleich dazu hatten die Megatherien deutlich lĂ€ngere untere Gliedmaßenabschnitte.cite-ref-iuliis-et-al-2004-42-0[42]

Spurenfossilien, die Hinweise auf die Fortbewegung der Bodenfaultiere geben, sind nur selten erhalten. FĂŒr Paramylodon konnten solche eindeutigen Trittsiegel im Nevada State Prison in der NĂ€he von Carson City nachgewiesen werden. Die Spuren wurden bereits in der zweiten HĂ€lfte des 19. Jahrhunderts beim Sandsteinabbau entdeckt und anfĂ€nglich, 1882, als Hinweise auf riesenhafte Menschen gedeutet. Doch schon im Jahr darauf erkannte Othniel Charles Marsh einen Zusammenhang mit ausgestorbenen Bodenfaultieren und suchte den Verursacher der Trittsiegel unter den Mylodonten, von denen auch Knochenreste von der gleichen Fundstelle vorliegen.cite-ref-marsh-1883-43-0[43] Insgesamt sind bei Carson City neben Paramylodon zahlreiche Spuren weiterer SĂ€ugetiere – etwa Mammute, Pferde, Elche sowie Raubtiere – und zusĂ€tzlich von Vögeln entdeckt worden. Die Trittsiegel verteilen sich auf einer FlĂ€che von rund 8000 mÂČ, sie sind zwar heute weitgehend durch den GefĂ€ngnisbau ĂŒberdeckt, aber durch AbgĂŒsse gut dokumentiert. Von Paramylodon konnten insgesamt zehn FĂ€hrten beobachtet werden, bestehend aus 15 bis 20 einzelnen, wechselseitig eingedrĂŒckten Spuren. Jeder einzelne Fußabdruck ist 47 bis 51 cm lang und rund 20 cm breit, im Umriss Ă€hneln sie tatsĂ€chlich menschlichen FußabdrĂŒcken, sie sind aber seitlich deutlich stĂ€rker eingedellt.cite-ref-conte-1883-44-0[44] Weitere Studien zeigten, dass die Form der AbdrĂŒcke sehr gut mit der Form des Fußes von Paramylodon ĂŒbereinstimmtcite-ref-stock-1917-1-4[1]cite-ref-stock-1920b-45-0[45] und der an Menschen erinnernde Umriss auf den auswĂ€rts gedrehten Fuß des Faultiers zurĂŒckzufĂŒhren ist. Der seitliche Abstand der Spuren zueinander betrĂ€gt etwa 60 cm, was in etwa mit dem Abstand der beiden HĂŒftgelenkspfannen am Becken von Paramylodon ĂŒbereinstimmt, ebenso die SchrittlĂ€nge von rund 146 cm, was wiederum zur bekannten HinterbeinlĂ€nge von 95 cm korrespondiert. AuffĂ€lligerweise sind dadurch fast ausschließlich HinterfußabdrĂŒcke ĂŒberliefert, was anfĂ€nglich auch mit einer zweifĂŒĂŸigen Fortbewegung der Tiere interpretiert wurde, analog zu entsprechenden Spurenfossilien von Megatherium in SĂŒdamerika. Es konnte aber ermittelt werden, dass die einzelnen Trittsiegel der HinterfĂŒĂŸe die der VorderfĂŒĂŸe ĂŒberdecken. Da der vordere Fuß deutlich kleiner ist als der hintere und anders aufsetzt, erzeugt er einen wesentlich kleineren Abdruck. In EinzelfĂ€llen sind Trittsiegel ĂŒberliefert, die von der Überdeckung des Vorderfußes durch den Hinterfuß zeugen. Aus anatomischen GrĂŒnden, etwa den angewinkelten Beinen beim Laufen, der Lage und Orientierung des Hinterfußes zum Bein und Ă€hnlichen, ist eine dauerhafte Bipedie der großen Bodenfaultiere unwahrscheinlich. Die SchrittlĂ€nge von Paramylodon lĂ€sst eine durchschnittliche Geschwindigkeit von 1,8 bis 2,2 m/s annehmen, was in etwa der ermittelten Geschwindigkeit von Megatherium entspricht.cite-ref-mcdonald-2007-40-1[40]

Untersuchungen am Schulterblatt von sowohl jungen als auch ausgewachsenen Individuen zeigen eine signifikante FormverĂ€nderung, die von einer eher runden bei ersteren zu einer weitgehend ovoiden Form bei letzteren fĂŒhrt. Die ontogenetische ÜberprĂ€gungen sind vergleichbar mit denen der heutigen baumbewohnenden Faultiere. Die Ähnlichkeit der SchulterblĂ€tter der jungen Vertreter von Paramylodon und der Jungtiere der heutigen Faultiere lĂ€sst auf vergleichbare Verhaltensweisen schließen. Demnach verfĂŒgten die Jungen von Paramylodon noch ĂŒber verschiedene kletternde FĂ€higkeiten und klammerten sich möglicherweise an ihre Muttertiere beim Transport.cite-ref-gross-2019-46-0[46]

ErnÀhrungsweise

Die Mylodonten gelten in der Regel als stĂ€rker an Grasnahrung angepasste Faultiere, die Annahme basiert auf den hochkronigen ZĂ€hnen und den abweichend von anderen Faultierlinien flachen KauoberflĂ€chen, die dadurch denen der sich so ernĂ€hrenden Huftiere Ă€hneln.cite-ref-bargo-et-al-2006-8-1[8] Der fehlende Zahnschmelz bei den ZĂ€hnen der Faultiere macht aber Vergleiche schwierig. Die grasfresserische ErnĂ€hrung wurde schon sehr frĂŒh aufgrund der speziellen Zahnausbildung angenommen,cite-ref-stock-1925-3-7[3] Analysen des Kauapparates von Paramylodon ergaben, dass die Nahrung ĂŒberwiegend in vor- und rĂŒckwĂ€rts gerichteten sowie seitlichen Kaubewegungen zerkleinert wurde, was auch durch dementsprechende Schleifspuren angezeigt wird. Dem widersprechen auch nicht die caniniformen vorderen ZĂ€hne, die – wenn ausgebildet – eher klein sind. Das Unterkiefergelenk ist bei Paramylodon breit ausgebildet und hat eine unspezialisierte OberflĂ€che, die zugehörige Glenoid-Grube am SchĂ€del erscheint flach, was typisch fĂŒr Pflanzenfresser mit ihren rotierenden Kaubewegungen ist. Allerdings tritt an der Innenseite eine zusĂ€tzliche, nahezu senkrecht stehende Gelenkfacette auf, die in einer Vertiefung an der Außenwand des FlĂŒgelbeins ankert. Dadurch waren allzu starke seitliche Kaubewegungen eher begrenzt. Die Anordnung des Musculus masseter bewirkte, dass Paramylodon sein Maul nur um 22° öffnen konnte, was deutlich weniger ist als bei den Zweifinger-Faultieren, die aber vergleichsweise lĂ€ngere caniniforme ZĂ€hne haben. Alles in allem lĂ€sst die Struktur des Kauapparates eher eine Bevorzugung gemischter Pflanzenkost (mixed feeder) annehmen.cite-ref-naples-1989-47-0[47]cite-ref-bargo-et-al-2008-48-0[48] FĂŒr eine derartige ErnĂ€hrungsweise spricht auch der Bau der Schnauze, die nicht ganz so breit ist wie bei Lestodon, fĂŒr das eine stĂ€rker auf GrĂ€sern beruhende ErnĂ€hrungsweise angenommen wird (grazer, analog dem heutigen Breitmaulnashorn), aber deutlich breiter als bei Megatherium, das eher BlĂ€tter bevorzugte (browser, vergleichbar zum Spitzmaulnashorn).cite-ref-bargo-et-al-2006b-49-0[49]cite-ref-bargo-et-al-2008-48-1[48] Die verlĂ€ngerte Symphyse des Unterkiefers ragt weit ĂŒber die Nasenregion hinaus. Da keine Verknöcherung der Nasenscheidewand vorliegt wie bei Mylodon, muss hier eine krĂ€ftige Knorpelentwicklung angenommen werden.cite-ref-naples-1989-47-1[47] Möglicherweise hatte zudem die Zunge bei der Nahrungsaufnahme auch eine unterstĂŒtzende Funktion. Durch die weit im SchĂ€del zurĂŒckverlagerte Position des Zungenbeins und dessen robusten Bau mit krĂ€ftigen Muskelansatzstellen war beispielsweise der Musculus geniohyoideus besonders krĂ€ftig und lang ausgebildet, sodass eine sehr bewegliche Zunge anzunehmen ist.cite-ref-perez-et-al-2010-50-0[50]

Da von Paramylodon im Gegensatz zu Mylodon keine Koprolithen bekannt sind, können die NahrungsĂŒberreste nicht direkt ermittelt werden. Zudem sind aufgrund des fehlenden Zahnschmelzes nur selten detaillierte Isotopenuntersuchungen möglich. Die DurchfĂŒhrung derartige Methoden bedarf daher einer exzellenten Fossilerhaltung, im Falle von Paramylodon gelang sie am Zahnbein einiger ZĂ€hne aus der oberpleistozĂ€nen Fundstelle von Ingleside in Texas. Die Ergebnisse, die dabei mit Hilfe der Kohlenstoffisotope gewonnen wurden, liegen zwischen den Bereichen von heutigen Herbivoren mit Spezialisierung auf eine harte (grazer) oder weiche (browser) Pflanzenkost und befĂŒrworten somit eine gemischte Nahrung, möglicherweise aber mit einer stĂ€rkeren Tendenz zu GrĂ€sern.cite-ref-ruez-2005-51-0[51] Somit stimmen die bisherigen Ergebnisse gut mit der offenen Landschaft ĂŒberein, in der Paramylodon lebte. Es wird aber auch angenommen, dass der Faultiervertreter möglicherweise nach Wurzeln und Knollen oder aber auch Pilzen grub. Neben einigen Übereinstimmungen an den Abnutzungsspuren der ZĂ€hne mit jenen heutiger GĂŒrteltierecite-ref-kurrel-et-al-2025-52-0[52] spricht hierfĂŒr auch der anatomische Bau des Bewegungsapparates. So verfĂŒgten etwa die krĂ€ftigen Vorderbeine ĂŒber einen robusten, am unteren Gelenkende weit ausladenden Oberarmknochen, eine kurze Speiche mit lang ausgezogenem Olecranon fĂŒr eine massige Unterarmmuskulatur und etwas abgeplatte Krallen, was als Anpaasung an das Graben interpretiert werden kann. DarĂŒber hinaus sind Unterschiede im Gebissaufbau zwischen frĂŒhen und spĂ€ten Angehörigen der Gattung erkennbar. So besaßen die Formen aus dem UnterpleistozĂ€n noch weniger hohe Zahnkronen und dementsprechend einen niedrigeren Unterkiefer, wĂ€hrend die des OberpleistozĂ€ns deutlich höhere ZĂ€hne und einen robusteren Unterkiefer aufwiesen. Möglicherweise spiegelt dies eine zunehmend stĂ€rkere Anpassung von Paramylodon im Laufe der Zeit wider.cite-ref-bargo-et-al-2006-8-2[8]cite-ref-mcdonald-1995-19-4[19]

Sonstiges

Der ĂŒberwiegende Teil der Funde von Paramylodon umfasst einzelne Individuen, Massenansammlungen wie etwa in Rancho La Brea stellen Akkumulationen ĂŒber mehrere Jahrtausende dar und haben so einen eher zufĂ€lligen Charakter. Es kann daher angenommen werden, dass die Faultiergattung wie die heutigen baumlebenden Vertreter einzelgĂ€ngerisch auftrat und allenfalls Mutter-Jungtier-Gruppen bildete. Das Verdauungssystem war wahrscheinlich Ă€hnlich strukturiert wie bei den rezenten Arten, womit auch bei Paramylodon ein eher langsamer Stoffwechsel vorherrschte mit langer Passagezeit der Nahrung, die dadurch aber in großem Umfang verwertet wurde. In Verbindung mit der eher langsamen Fortbewegung spricht auch dies gegen grĂ¶ĂŸere saisonale Wanderungen – im Gegensatz zu zahlreichen anderen Offenlandschaften bewohnenden Grasfressern. Demnach waren die Tiere relativ standorttreu. AuffĂ€llig an zahlreichen Fundstellen mit Paramylodon ist das hĂ€ufige gemeinsame Auftreten mit dem PrĂ€riemammut und dem Bison. Beide Vertreter großer pflanzenfressender SĂ€ugetiere zeigten aber mit ihren Herdenbildungen und weiten Wanderungen sowie abweichendem Verdauungssystem eine grundlegend andere Lebensweise. Daher nutzte wohl Paramylodon eine unterschiedliche ökologische Nische zur Vermeidung direkter Konkurrenz mit den anderen Megaherbivoren der nordamerikanischen Steppenlandschaften.cite-ref-mcdonald-et-al-2006-21-2[21]

Systematik

Paramylodon ist eine ausgestorbene Gattung aus der ebenfalls erloschenen Familie der Mylodontidae. Die Mylodontidae bilden wiederum einen Teil der Unterordnung der Faultiere (Folivora). In einer klassischen, auf skelettanatomischen Merkmalen beruhenden Systematik reprĂ€sentieren die Mylodontidae zusammen mit den Orophodontidae und den Scelidotheriidae die Überfamilie der Mylodontoidea (teilweise werden die Scelidotheriidae und die Orophodontidae aber auch nur als Unterfamilie innerhalb der Mylodontidae gefĂŒhrtcite-ref-varela-et-al-2019-55-0[55]), welche wiederum neben den Megatherioidea die zweite große und bedeutende Faultierlinie darstellt. GemĂ€ĂŸ molekulargenetischen und proteinbasierten Untersuchungen können neben den Mylodontoidea und den Megatherioidea auch die Megalocnoidea als dritte große Linie herausgestellt werden. Den Mylodontoidea sind dann mit den Zweifinger-Faultieren (Choloepus) auch eine der zwei heute noch bestehenden Faultiergattungen zuzuweisen.cite-ref-delsuc-et-al-2019-56-0[56]cite-ref-presslee-et-al-2019-54-1[54] Die Mylodontidae formen eine der vielfĂ€ltigsten Gruppen innerhalb der Faultiere. Zu ihren Charakteristika gehören hochkronige ZĂ€hne mit abweichend von den Megatherioidea flacher (lobater) KauflĂ€che, was als eine Anpassung an stĂ€rker grashaltige Nahrung interpretiert wird. Die hinteren ZĂ€hne besitzen einen runden oder ovalen Querschnitt, die vordersten sind eckzahnartig gestaltet. Der Hinterfuß zeigt zudem eine deutlich seitlich ausgedrehte Gestalt.cite-ref-mcdonald-et-al-2008-57-0[57]cite-ref-mcdonald-2012-23-1[23] Zu den frĂŒhesten Nachweise der Mylodonten wird Paroctodontotherium gezĂ€hlt, welches in Salla-Luribay in Bolivien nachgewiesen ist und in das OligozĂ€n datiert.cite-ref-shockey-et-al-2011-58-0[58]

Die innere Gliederung der Mylodontidae ist komplex und variiert je nach Bearbeiter. Zumeist anerkannt sind die spĂ€ten Gruppen der Mylodontinae mit Mylodon als Typusform und der Lestodontinae, deren Charakterform Lestodon darstellt (auf tribaler Ebene als Mylodontini und Lestodontini bezeichnet). Teilweise wurden zahlreiche weitere Unterfamilien aufgestellt, etwa die Nematheriinae fĂŒr Vertreter aus dem Unteren MiozĂ€n oder die Octomylodontinae fĂŒr alle Basalformen, die aber nicht allgemein anerkannt sind.cite-ref-rinderknecht-et-al-2010-59-0[59] Mit der Etablierung der Urumacotheriinae fĂŒr spĂ€tmiozĂ€ne Gattungen des nördlichen SĂŒdamerikas konnte im Jahr 2004 eine weitere Linie innerhalb der Mylodonten herausgearbeitet werden.cite-ref-negri-et-al-2004-60-0[60] Prinzipiell wird fĂŒr die gesamte Familie eine Revision angemahnt, da zahlreiche der höheren taxonomischen Einheiten keine formale Diagnose besitzen.cite-ref-rincon-et-al-2015-10-1[10]

Die Untergliederung der terminalen Gruppe der Mylodonten in die Lestodontinae und Mylodontinae wurde generell auch in einer der bisher umfangreichsten Studien zur Stammesgeschichte der Faultiere aus dem Jahr 2004 bestĂ€tigt. Im Ergebnis dieser auf SchĂ€delmerkmalen basierenden und von Timothy J. Gaudin durchgefĂŒhrten Analyse steht Paramylodon in der NĂ€he von Mylodon, das relativ Ă€hnliche Glossotherium bildet aber das Schwestertaxon zu den Lestodontinae.cite-ref-gaudin-2004-61-0[61] In einigen spĂ€teren phylogenetischen Arbeiten ließen sich die Resultate reproduzieren.cite-ref-rincon-et-al-2017-62-0[62]cite-ref-brambilla-et-al-2019-63-0[63] Eine im Jahr 2019 vorgestellte Untersuchung von Luciano Varela und weiteren beteiligten Wissenschaftlern, die zahlreiche fossile Formen der gesamten Unterordnung der Faultiere einbezieht, sieht dies dagegen kritischer. Hier sind Paramylodon und Glossotherium eng verwandt, Mylodon hingegen formt die Basis der entwickelten Mylodonten, und Lestodon gruppiert mit einigen Formen aus dem nördlichen SĂŒdamerika.cite-ref-varela-et-al-2019-55-1[55] Im gleichen Jahr wurde eine höherauflösende phylogenetische Analyse der Mylodonten durch eine Arbeitsgruppe um Alberto Boscaini veröffentlicht. Diese untermauert die Zweigliederung der terminalen Vertreter und vereint Paramylodon, Glossotherium und Mylodon in einer Klade. Als fundamentaler Unterschied zwischen den Mylodontinae und Lestodontinae kann die AusprĂ€gung der eckzahnartigen vorderen ZĂ€hne herangezogen werden. Bei letzteren sind diese groß und durch ein langes Diastema von den hinteren ZĂ€hnen getrennt, erstere habe nur kleine caniniforme ZĂ€hne, die mitunter auch teilweise reduziert sind, generell aber dichter an den molarenartigen ZĂ€hnen anstehen. Der Studie zufolge bilden Paramylodon, Glosstherium und Mylodon eine engere Beziehungsgemeinschaft innerhalb der Mylodontinae.cite-ref-boscaini-et-al-2019-53-1[53] Diese Ansicht findet auch durch die bereits erwĂ€hnten biochemischen Daten UnterstĂŒtzung, ebenfalls vorgelegt 2019.cite-ref-presslee-et-al-2019-54-2[54] Detaillierte, bereits im Jahr 2009 von Robert K. McAfee publizierte SchĂ€delanalysen legen ebenfalls nahe, dass Paramylodon und Glossotherium sehr eng miteinander verwandt sind und sich höchstwahrscheinlich einen gemeinsamen Vorfahren teilen. Zu den Merkmalen, die die beiden Gattungen verbindet, gehören etwa der Gebissaufbau mit den vorderen caniniformen ZĂ€hnen und die Zahnstruktur, etwa des zweiten Backenzahns, oder die Lage der Knochennaht zwischen Gaumenbein und Oberkiefer nahe dem hintersten Zahn. Dagegen ist Mylodon mit seinem reduzierten Gebiss, den einfacher gestalteten ZĂ€hnen und der vorverlagerten Knochenverbindung zwischen Gaumenbein und Oberkiefer deutlicher abweichend.cite-ref-mcafee-2009-6-4[6]

Innerhalb der Gattung Paramylodon ist mit P. harlani nur eine Art anerkannt. Eine weitere Art, P. nebrascensis, wurde 1903 von Barnum Brown anhand eines Teilskelettes aus Hay Spring in Nebraska beschrieben,cite-ref-brown-1903-11-1[11] aber bereits in den 1920er Jahren mit der Nominatform vereint. Nur zehn Jahre spĂ€ter kreierte Glover Morrill Allen unter Zuhilfenahme eines weiteren Teilskelettes vom Niobrara River in Nebraska die Art Mylodon garmani,cite-ref-allen-1913-64-0[64] die aber ebenfalls als synonym zu Paramylodon harlani angesehen wird. Gleiches gilt fĂŒr mehrere von Edward Drinker Cope bereits in den 1870er und 1890er Jahren benannte Arten wie Mylodon sodalis und Mylodon sulcidens.cite-ref-mcdonald-1995-19-5[19] Die ursprĂŒnglich vorgenommene Untergliederung in zwei Unterarten, P. h. harlani fĂŒr eine robuste und P. h. tenuiceps fĂŒr eine grazile Form, wie es Chester Stock im Jahr 1917 vorschlug,cite-ref-stock-1917-1-5[1]cite-ref-stock-1925-3-8[3] wird heute nicht mehr befĂŒrwortet.cite-ref-mcdonald-2006-27-2[27] Problematisch ist allerdings der Verweis stammesgeschichtlich sehr frĂŒher Funde zur Art Glossotherium chapadmalense. Die Art wurde ursprĂŒnglich im Jahr 1925 von Lucas Kraglievich anhand eines 39 cm langen, nahezu unbeschĂ€digten SchĂ€dels mit Unterkiefer aus Schichten des PliozĂ€ns östlich von Miramar in der argentinischen Provinz Buenos Aires aufgestellt.cite-ref-kraglievich-1925-65-0[65] Ihre genaue systematische Stellung war aufgrund der SpĂ€rlichkeit der Fossilreste lange Zeit unklar. Sie weist zwar Ähnlichkeiten zu Glossotherium robustum auf, besitzt aber auch einzelne Abweichungen. Teilweise wurde vermutet, dass Glossotherium chapadmalense den gemeinsamen Vorfahren von Glossotherium und Paramylodon reprĂ€sentiert, was in diesem Fall aber einen eigenen Gattungsstatus bedingt hĂ€tte; als Vorschlag kam Eumylodon in Betracht (die Bezeichnung hatte Kraglievich bereits 1925 fĂŒr Eumylodon chapadmalense verwendet). Neufunde aus der Typusfundstelle von Glossotherium chapadmalense ergaben nun, dass die Art als eindeutiger Vertreter zu Glossotherium gestellt werden kann.cite-ref-boscaini-et-al-2022-66-0[66] Ob dies allerdings auch fĂŒr die nordamerikanischen Funde aus dem PliozĂ€n von Florida und Mexiko gilt, die von Jesse S. Robertson erstmals im Jahr 1976 unter dem gleichen Artnamen gefĂŒhrt wurden,cite-ref-robertson-1976-18-1[18] oder diese nĂ€her zu Paramylodon stehen, ist momentan aufgrund fehlender Vergleichsuntersuchungen unklar.cite-ref-mcafee-2009-6-5[6] Teilweise werden die frĂŒhen Mylodontenreste auch unter der Bezeichnung P. garbanii gefĂŒhrt,cite-ref-morgan-2008-67-0[67] eine Artbezeichnung, die 1986 fĂŒr einige pliozĂ€ne Unterkiefer- und Gliedmaßenreste aus Arroyo EI Tanque im mexikanischen Bundesstaat Guanajuato geprĂ€gt worden war (unter dem wissenschaftlichen Namen Glossotherium garbanii).cite-ref-montellano-et-al-1986-68-0[68] Die Art ist aber nicht vollstĂ€ndig anerkannt, andere Autoren sehen sie als synonym zu Glossotherium chapadmalense.cite-ref-mcdonald-2002-17-2[17]

Forschungsgeschichte

Entdeckungen in Nord- und SĂŒdamerika

Die Forschungsgeschichte von Paramylodon ist komplex und von einer ĂŒber mehr als 150 Jahre wĂ€hrenden Verwechslung und Gleichsetzung mit Mylodon und Glossotherium geprĂ€gt. Sie beginnt aber mit den ersten Entdeckungen von Richard Harlan (1796–1843) am Big Bone Lick im Boone County im US-Bundesstaat Kentucky im Jahr 1831, die einen rechten Unterkiefer und ein SchlĂŒsselbein umfassen. Harlan erkannte, dass es sich um Reste eines ausgestorbenen Faultiers handelte und verwies sie zu Megalonyx, das damals aus Nordamerika bereits bekannt war, und innerhalb der Gattung zu der von ihm kurz zuvor aufgestellten Art Megalonyx laqueatus.cite-ref-harlan-1831-69-0[69]cite-ref-harlan-1835-70-0[70] Die Funde wurden ursprĂŒnglich in New York aufbewahrt, sind aber heute verschollen.cite-ref-mcdonald-1995-19-6[19]

Zwischen den Jahren 1831 und 1836 unternahm Charles Darwin seine wegweisende Reise mit der Beagle nach SĂŒdamerika und brachte von dort eine große Anzahl an Fossilien mit. Diese wurden dann von Richard Owen, einem der bedeutendsten Forscher des Viktorianischen Zeitalters, untersucht und die Ergebnisse veröffentlicht. In einer ersten Publikation zu den SĂ€ugetierresten allgemein im Jahr 1840 fĂŒhrte er die Gattung Mylodon mit der Art Mylodon darwinii ein. Gattung und Art basierten auf einem Unterkiefer, den Darwin in Punta Alta in der argentinischen Provinz Buenos Aires gefunden hatte. Als besonderes Kennzeichen hoben sich insgesamt vier molarenartige ZĂ€hne je Zahnreihe hervor. Zugleich bemerkte Owen auch Ähnlichkeiten im Zahnbau zwischen Harlans Unterkiefer und dem von Mylodon darwinii. Daraus folgernd verwarf er die von Harlan geprĂ€gte Bezeichnung Megalonyx laqueatus und schuf mit Mylodon harlani eine neue Art.cite-ref-owen-1840-71-0[71] Der Gattungsname Mylodon setzt sich aus den griechischen Wörtern Όύλη (mĂœle „Molar“) und áœ€ÎŽÎżÏÏ‚ (odoĂșs „Zahn“) zusammen, bedeutet ĂŒbersetzt also so viel wie „Molarenzahn“. Harlan Ă€ußerte sich zwei Jahre spĂ€ter ĂŒber die Verwendung des Namens, da dieser seiner Meinung nach kein herausragendes Charakteristikum des Tieres beschreibe und jedes ausgestorbene SĂ€ugetier meinen könnte, weil fast alle ĂŒber die hinteren BackenzĂ€hne verfĂŒgten.cite-ref-harlan-1842-72-0[72]

Im selben Jahr, 1842, legte Owen eine umfassende Beschreibung eines Skeletts eines Mylodonten vor, das aus den Überschwemmungsebenen des RĂ­o de la Plata nördlich von Buenos Aires stammte; er etablierte fĂŒr dieses die neue Art Mylodon robustus.cite-ref-owen-1842-73-0[73] Zu diesem Zeitpunkt bestand also die Gattung Mylodon aus drei Arten, von denen zwei in SĂŒdamerika und eine in Nordamerika vorkam. Zudem sollte es sich als problematisch erweisen, dass Owen Mylodon darwinii als Typusart der Gattung auswies, obwohl diese, wie er zugab, nach Mylodon harlani die zweite bekannte und beschriebene Art sei. Demnach hĂ€tte eigentlich Mylodon harlani das Anrecht auf den Status als Nominatform. Im weiteren Verlauf wurden Mylodon unterschiedliche Typusarten zugeordnet, so sah Johannes Theodor Reinhardt 1879 diese in Mylodon robustus,cite-ref-reinhardt-1879-74-0[74] Richard Lydekker 1887 dagegen in Mylodon harlani.cite-ref-lydekker-1887-75-0[75]cite-ref-mcafee-2009-6-6[6]cite-ref-fernicola-et-al-2009-76-0[76]

Paramylodon und die Mylodon - Glossotherium -Problematik

Im Jahr 1903 fĂŒhrte Barnum Brown (1873–1963) den Gattungsnamen Paramylodon ein. Er verwendete dazu ein Teilskelett aus Hay Spring in Nebraska, das 1897 bei einer Expedition des American Museum of Natural History entdeckt worden war. Der Gattung wies er mit Paramylodon nebrascensis eine Art zu. Als definierende Unterschiede zum nordamerikanischen Mylodon harlani, das Brown als Typusform von Mylodon ansah, gab er die fehlenden vorderen caniniformen ZĂ€hne im Oberkiefer an. Dadurch waren zu jener Zeit zwei unterschiedliche Vertreter der Mylodonten im PleistozĂ€n Nordamerikas anerkannt.cite-ref-brown-1903-11-2[11]cite-ref-mcdonald-1995-19-7[19]

SpĂ€ter wies Chester Stock (1892–1950) aufgrund seiner Untersuchungen am Fundmaterial von Rancho La Brea darauf hin, dass das Merkmal der fehlenden oberen VorderzĂ€hne bei Mylodon harlani sehr variabel ausgebildet ist. Daher synonymisierte er 1917 P. nebrascensis mit Mylodon harlani.cite-ref-stock-1917-1-6[1]cite-ref-stock-1925-3-9[3] Im Jahr 1928 beschrĂ€nkte Lucas Kraglievich allerdings die nordamerikanischen Funde auf Paramylodon und trennte die Gattung somit von den sĂŒdamerikanischen Vertretern ab,cite-ref-kraglievich-1928-77-0[77] eine Meinung, der sich acht Jahre spĂ€ter auch Ángel Cabrera anschloss; sie fand aber in der Folgezeit bei den meisten Forschern kaum Resonanz. Kraglievich revidierte im gleichen Zug auch Glossotherium als eigenstĂ€ndige, von Mylodon zu unterscheidende Gattung.cite-ref-kraglievich-1928-77-1[77] Glossotherium war ursprĂŒnglich ebenfalls von Owen in seiner Schrift ĂŒber Darwins Entdeckungen aus dem Jahr 1840 anhand eines SchĂ€delbruchstĂŒckes vom Arroyo SarandĂ­ im SĂŒdwesten des heutigen Uruguay aufgestellt worden, nur zwei Jahre spĂ€ter vereinte er es aber mit Mylodon.cite-ref-owen-1840-71-1[71]cite-ref-owen-1842-73-1[73]

In der Folgezeit nach Kraglievich und Cabrera entwickelte sich Glossotherium aufgrund der NamensprioritĂ€t zu einem „Abfalleimer“-Taxon, in das zahlreiche nahe verwandte Formen eingestellt wurden. George Gaylord Simpson gab 1945 in seiner generellen Taxonomie der SĂ€ugetiere zum Ausdruck, dass, wenn Paramylodon nicht eindeutig von Glossotherium getrennt werden könne, aufgrund ebendieser NamensprioritĂ€t Glossotherium vorzuziehen wĂ€re.cite-ref-simpson-1945-78-0[78] Durch die darauffolgende vollstĂ€ndige Eingliederung von Paramylodon in die Gattung, die Robert Hoffstetter im Jahr 1952 vollzog, gehörte Glossotherium zu den wenigen Faultierformen, die in SĂŒd- und Nordamerika auftraten, sie besaß dadurch aber auch eine hohe VariabilitĂ€t. Zahlreiche Forscher favorisierten im Verlauf des 20. Jahrhunderts die Ansicht der KongeneritĂ€t der beiden Faultierformen.cite-ref-robertson-1976-18-2[18] Im Jahr 1995 trennte H. Gregory McDonald jedoch das nordamerikanische Paramylodon wieder vom sĂŒdamerikanischen Glossotherium. Er merkte dabei an, dass bisher keine Untersuchungen vorliegen, in denen nachgewiesen wurde, dass beide Gattungen tatsĂ€chlich identisch seien. Vielmehr sprĂ€che die Isolierung von Paramylodon in Nordamerika eher fĂŒr eine EigenstĂ€ndigkeit der Form.cite-ref-mcdonald-1995-19-8[19] In der darauffolgenden Zeit konnten mehrere SchĂ€delstudien vorgelegt werden, die die beiden Gattungen und zuzĂŒglich auch Mylodon eindeutig voneinander unterschieden.cite-ref-mcafee-2009-6-7[6]cite-ref-brandoni-et-al-2010-79-0[79]

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Paramylodon

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